Interview mit den Vorständen der Raiffeisenbank im Nürnberger Land eG – Swen Heckel, Volker Matschke und Bernd Strauß – zum Jahresabschluss 2025

 

Wie würden Sie das Geschäftsjahr 2025 in wenigen Worten zusammenfassen?
Heckel: Das Geschäftsjahr 2025 war für uns äußerst erfolgreich und geprägt von stabilem, nachhaltigem Wachstum. Wir konnten unsere Marktposition weiter stärken und unser Kundenvertrauen ausbauen – trotz herausfordernder wirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Besonders erfreulich ist, dass sich unsere strategische Ausrichtung und die Entscheidungen der vergangenen Jahre erneut als erfolgreich bewiesen haben.

Was waren die entscheidenden Faktoren für das überdurchschnittlich gute Betriebsergebnis?
Heckel: Ein wesentlicher Treiber war die positive Entwicklung im Kundengeschäft. Sowohl im Anlage- als auch im Kreditbereich konnten wir nachhaltig wachsen. Besonders das weiterhin hohe Interesse unserer Kundinnen und Kunden an qualifizierter Beratung und unser Selbstverständnis als Lebensphasen- bzw. Unternehmensbeteiligung diesem zu begegnen, hat sich positiv ausgewirkt.

Matschke: Gleichzeitig haben wir konsequent auf ein solides Kostenmanagement geachtet. Effiziente Prozesse, eine vorausschauende Steuerung und die Nutzung von Synergien aus der Fusion haben maßgeblich dazu beigetragen, unsere Wirtschaftlichkeit weiter zu stärken.

Strauß: Darüber hinaus war unser gutes Risikomanagement ein wichtiger Erfolgsfaktor. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ist es entscheidend, Risiken frühzeitig zu erkennen und verantwortungsvoll zu steuern. Dadurch konnten wir Stabilität und Wachstum in Einklang bringen.

Welche Geschäftsbereiche haben besonders stark zur positiven Entwicklung beigetragen?
Heckel: Ganz klar das Kundengeschäft: Das Kundenanlagevolumen hat insbesondere im außerbilanziellen Bereich kräftig zugelegt. Themen wie Vermögensaufbau und Altersvorsorge gewinnen für unsere Kundinnen und Kunden immer mehr an Bedeutung, was sich in einem starken Zuwachs im Bereich der strukturierten Geldanlage niederschlägt. Gleichzeitig konnten wir auch im Kreditgeschäft weiter wachsen und unsere Rolle als verlässlicher Finanzierungspartner in der Region stärken.

Welchen Herausforderungen musste sich die Raiffeisenbank im Nürnberger Land eG im vergangenen Geschäftsjahr stellen?
Matschke: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben weiterhin anspruchsvoll. Inflation, volatile Märkte und eine insgesamt verhaltene wirtschaftliche Entwicklung sorgen bei vielen Menschen und Unternehmen für Unsicherheit. Umso wichtiger war es für uns, Stabilität und Verlässlichkeit auszustrahlen und unsere Kundinnen und Kunden eng zu begleiten.

Strauß: Hinzu kamen steigende Kreditrisiken in einzelnen Branchen sowie die allgemein angespannte wirtschaftliche Lage. Gerade deshalb waren eine verantwortungsvolle Kreditvergabe und ein vorausschauendes Risikomanagement besonders wichtig. Gleichzeitig sehen wir aber auch, dass unsere regionale Nähe und die persönliche Beratung in solchen Zeiten stark an Bedeutung gewinnen.

Welche strategischen Entscheidungen aus den Vorjahren haben sich 2025 besonders ausgezahlt?
Heckel: Die Fusion der Raiffeisenbanken Altdorf-Feucht und Hersbruck zur Raiffeisenbank im Nürnberger Land eG vor fünf Jahren hat uns zu einem größeren, wirtschaftlich stärkeren Partner gemacht. Durch die Bündelung unserer Kräfte konnten wir Synergien heben und unseren Kundinnen und Kunden ein noch breiteres Angebot bieten. Die konsequente Kundenorientierung und der Fokus auf nachhaltiges Wachstum zahlen sich jetzt deutlich aus.
Auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie bei der Gewinnung von Fachkräften hat sich die Fusion als großer Vorteil erwiesen. Durch die beiden zentralen Standorte in räumlicher Nähe konnten Kompetenzen gebündelt, Arbeitsabläufe effizienter gestaltet und gleichzeitig attraktive Entwicklungsmöglichkeiten geschaffen werden. Zudem bleiben wir mit unseren Filialen weiterhin nah bei den Menschen in der Region präsent. Diese Kombination aus starken zentralen Einheiten und lokaler Nähe macht uns sowohl für Kundinnen und Kunden als auch als Arbeitgeber besonders attraktiv.

Können Sie die erzielten Erfolge seit Fusion näher beleuchten? Welche Entwicklungen sind besonders auffallend?
Matschke: Besonders auffällig ist das kontinuierliche Wachstum in nahezu allen Geschäftsbereichen. Seit der Fusion konnten wir das betreute Kundenvolumen deutlich steigern und unsere wirtschaftliche Stärke ausbauen. Die Fusion hat uns ermöglicht, effizienter zu arbeiten und gleichzeitig näher an unseren Kundinnen und Kunden zu sein.
Aber auch nach innen hat die Fusion viel bewegt. Für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich neue Entwicklungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten eröffnet, die es in dieser Form zuvor nicht gab. Durch größere Teams und breiter aufgestellte Bereiche können Talente gezielter gefördert und individuelle Stärken besser eingesetzt werden. Gleichzeitig ist es uns gelungen, unsere Attraktivität als Arbeitgeber weiter zu steigern – sei es durch moderne Arbeitsmodelle, bessere Entwicklungsperspektiven oder ein insgesamt zukunftsfähigeres Arbeitsumfeld. Das zeigt sich auch daran, dass wir qualifizierte Mitarbeitende gewinnen und langfristig an unsere Bank binden können.

Strauß: Zudem hat sich gezeigt, dass wir als größere Einheit widerstandsfähiger und zukunftsfähiger aufgestellt sind. Wir konnten unsere regionale Präsenz stärken, unsere persönlichen Beratungsangebote erweitern und zugleich in Digitalisierung investieren. Dass wir heute wirtschaftlich robuster und breiter aufgestellt sind als zuvor, bestätigt die damalige strategische Entscheidung eindrucksvoll.

Heckel: Bei dem Schlagwort „Fusion“ werden wir jüngst natürlich immer wieder auch auf die entsprechenden Absichten in unserer unmittelbaren Nachbarschaft angesprochen. Hier möchte ich die Chance nutzen unsere Position nochmals zu verdeutlichen: Wie bereits vor unserer eigenen, zurückliegenden Fusion sind wir der Meinung, dass der Wirtschaftsraum des Nürnberger Landes neben einer ausreichenden Betriebsgröße eine ideale Basis für das langfristig erfolgreiche Wirken einer genossenschaftlichen Regionalbank darstellt. Das wir eine handlungsfähige Unternehmensgröße vorweisen, zeigen unsere eindrucksvollen Erfolgszahlen – wir sind eine der erfolgreichsten Genossenschaftsbanken in Mittelfranken. Gerne hätten wir damals oder auch in Zukunft unsere befreundeten Nachbarbanken mit auf diesen gemeinsamen Weg genommen. Für entsprechendes Interesse waren und sind wir jederzeit gesprächsbereit. Unser Fokus liegt aber auf der konsequenten Weiterentwicklung unseres unternehmerischen Erfolges zum Nutzen der regionalen Kunden und Mitglieder durch Verständnis, digitale aber vor allem persönliche Leistungen und schnelle und unmittelbare Entscheidungen für unseren Heimatlandkreis.

Die Bank hebt hervor, dass mittlerweile jeder zweite Kunde auch Mitglied ist. Sehen Sie einen direkten Zusammenhang zwischen Mitgliederwachstum und wirtschaftlichem Erfolg?
Matschke: Absolut. Das genossenschaftliche Modell macht hier einen echten Unterschied. Unsere Werte sind auf langfristiges und nachhaltiges Handeln ausgerichtet – in der Region und für die Region. Die Mitgliedschaft schafft dabei eine enge Verbindung und Vertrauen. Das stärkt die Kundenbindung und fördert langfristige Partnerschaften. Mitglieder identifizieren sich stärker mit uns als Bank und profitieren durch ihre Beteiligung nicht nur von einer attraktiven Dividende, sondern unterstützen gleichzeitig die wirtschaftliche Stabilität der Raiffeisenbank im Nürnberger Land eG.

Was sind aus Ihrer Sicht, die entscheidendsten Gründe für eine Mitgliedschaft? Und wie gelingt es Ihnen, Mitglieder nicht nur zu gewinnen, sondern auch einzubinden?
Heckel: Viele Menschen schätzen es, nicht nur Kunde, sondern zugleich Teilhaber ihrer Bank zu sein. Das genossenschaftliche Modell steht für Mitbestimmung, regionale Verantwortung und langfristiges Denken. Neben attraktiven Mehrwerten wie einer erfolgsorientierten Dividende oder besonderen Konditionen ist vielen Mitgliedern wichtig, Teil einer regional verwurzelten Gemeinschaft zu sein. Entscheidend ist für uns aber vor allem die aktive Einbindung: durch persönliche Nähe, transparente Kommunikation und unser Engagement vor Ort.

Gibt es Ansätze, um insbesondere jüngere Kunden als Mitglieder zu gewinnen?
Strauß: Ja, wir arbeiten konsequent daran, unsere Angebote und Kommunikationswege jugendgerechter und digitaler zu gestalten. Wir möchten klar zeigen, welche Vorteile wir als Genossenschaftsbank beispielsweise im Vergleich zu Neobrokern bieten, die in der jüngeren Zielgruppe zunehmend an Bekanntheit gewinnen. Zugleich setzen wir auf gesellschaftliches Engagement und lokale Projekte, um somit unter anderem junge Menschen zu unterstützen und unsere Bindung zu ihnen zu stärken. Persönliche Beratung und digitale Services schließen sich dabei nicht aus, sondern ergänzen sich sinnvoll.

Wie wird sich das Genossenschaftsmodell Ihrer Meinung nach künftig im Bankensektor behaupten?
Strauß: Das genossenschaftliche Modell lebt von Vertrauen, Nähe und Nachhaltigkeit – Werte, die auch in Zukunft gefragt sein werden. Gerade in krisenstarken Zeiten voller Unsicherheiten zeigt sich, wie wichtig stabile, lokal verankerte Partner für die Menschen, Vereine und Unternehmen in der Region sind. Deshalb bin ich überzeugt, dass dieses Modell weiterhin eine bedeutende Rolle im Bankensektor spielen wird.

Wie schaffen Sie eine Balance zwischen persönlicher Kundennähe und digitaler Effizienz?
Heckel: Wir setzen auf eine Verbindung aus persönlichem Service und digitaler Innovation. Unsere Kundinnen und Kunden sollen selbst entscheiden können, welchen Weg sie nutzen möchten – ob persönliche Beratung in ihrer Filiale oder moderne, digitale Lösungen wie Wero und unsere VR Banking App. Gerade in unsicheren Zeiten bleibt der persönliche Kontakt ein wichtiger Vertrauensanker. Digitalisierung verstehen wir deshalb nicht als Ersatz, sondern als sinnvolle Ergänzung zur persönlichen Nähe und investieren fortlaufend in beide Richtungen.

Welche Ziele und Herausforderungen sehen Sie für das Jahr 2026?
Matschke: Die unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und steigenden Kosten bleiben nach wie vor eine Herausforderung. Gleichzeitig wollen wir unseren Wachstumskurs fortsetzen und kontinuierlich in Zukunftsthemen investieren – insbesondere in Digitalisierung, Beratungskompetenz und Mitarbeiterentwicklung. Unser Ziel bleibt es, unsere Position als verlässlicher und moderner Finanzpartner in der Region auszubauen.

Was macht Sie zuversichtlich, dass Ihr Geschäftsmodell auch in zehn Jahren noch erfolgreich sein wird?
Heckel: Unsere Stärke liegt in der engen, genossenschaftlichen Kundenbindung. Dass mittlerweile mehr als jeder zweite Kunde zugleich Mitglied ist, zeigt das große Vertrauen in unser Modell. Gleichzeitig entwickeln wir unsere Angebote kontinuierlich weiter und passen uns den sich wandelnden Bedürfnissen unserer Kundinnen und Kunden an. Die Kombination aus regionaler Nähe, persönlicher Beratung und digitalen Lösungen macht uns langfristig zukunftsfähig. So sind wir gut gerüstet, um unseren Kunden auch weiterhin ein verlässlicher Partner in allen Finanzfragen zu sein.